Aktuelle Bedrohungslage - Stellungnahme zu Waffen an Bord - Fazit nach einem Jahr Aktionsprogramm.
Zur aktuellen Lage der Piraterie Seit dem die Zahl der Attacken auf Handelsschiffe und ihre Besatzungen durchPiraten in 2009 weltweit ihren bisherigen Höhepunkt erreichte, wurdeverstärkt mit Vereitelung und Bekämpfung dieses Verbrechens reagiert.Reedereien und Mannschaften meiden zum Teil die betroffenen Gebiete. Siesetzen zudem bei der Durchfahrt auf Prävention, unter Anwendung vonEmpfehlungen der International Maritime Organization (IMO) zum Verhalten ingefährdeten Gebieten und kooperieren mit Marinekräften von "MissionAtalanta", NATO und anderen Nationen vor Ort. So sind laut aktuellstemBericht des International Maritime Bureau (IMB) die Anzahl der versuchtenAngriffe im Jahresvergleich zurückgegangen, was im Golf von Aden auch aufdie Militärische Präsenz zurückzuführen sei. Doch auch die Piraten rüstenweiter auf. Zuletzt weiteten Piraten Somalischer Herkunft ihreOperationsgebiete deutlich aus und waren in der Lage, Gebiete in bis zu1.000 Seemeilen Entfernung von der Somalischen Küste zu erreichen. Außerhalbder Internationalen Schutzkorridore waren ihre Angriffe häufigererfolgreich. Weltweit seien somit in 2010 von Januar bis Juni 31Entführungen zu verzeichnen gewesen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahreswaren es ebenfalls 31. Gefangennahmen hätte es in diesem Jahr sogar 597gegeben, verglichen mit 561 im Jahr 2009. Schiffe unter DeutschemManage-ment waren von Angriffen 28 Mal und damit 2010 am zweithäufigstenbetroffen.
Quelle: "Piracy Report" für das zweite Quartal 2010 des InternationalMaritime Bureau (IMB) - Piracy Reporting Centre mit Sitz in Kuala Lumpur,Malaysia.
Deutsche Seemannsmission befürchtet Eskalation der Gewalt vor Somalia Der Vorstand der Deutschen Seemannsmission (DSM) spricht sich ausdrücklichgegen eine Bewaffnung von Seeleuten an Bord von Handelsschiffen aus."Gleichzeitig halten wir die von der IMO empfohlene Maßnahme, in bestimmtenFällen über bewaffnete Militärs an Bord von Seehandelsschiffen nachzudenken,für keine geeignete Lösung zum Schutz von Seeleuten", gab der Vorstand inseiner letzten Sitzung zu Protokoll.
Der Vorstand der DSM befürchtet, dass Gewalt gegen Personen, insbesondereSeeleute, durch eine wie auch immer geartete Bewaffnung an Bord nureskalieren würde. In seiner diesbezüglichen Stellungnahme heißt es: "DieSicherheit der Seeleute muss an erster Stelle stehen. Die DSM begrüßt dahereine Verlängerung der Mission Atalanta, um deutliche Zeichen in der Regionvor Somalia zu setzen, die auch bereits zu spürbaren Ergebnissen geführthaben. Die DSM bittet die Bundesregierung, die EU und die UN, sich deutlichund anhaltend auf politischem Wege für positive Veränderungen derVerhältnisse in Somalia einzusetzen. Um dauerhaft den Seehandelsverkehrdurch den Golf von Aden zu gewährleisten, ist Unterstützung zum zivilenAufbau Somalias unerlässlich."
Die Generalsekretärin der DSM, Pastorin Heike Proske meinte dazu, in denöffentlichen Diskussionen werde zwar eine Vielzahl von Überlegungenangestellt, wie die Situation vor Somalia verbessert werden könne. Meistseien jedoch Schiffe und deren Ladungen im Blick. "Die DeutscheSeemannsmission macht besonders auf die Seeleute an Bord aufmerksam. VieleSeeleute sehen einer Fahrt durch den Golf von Aden mit Sorge entgegen,fürchten aber bei Verweigerung um ihren Arbeitsplatz. Manchmal haben siekeinen Mut mehr, ihrer Familie zu sagen, wo das Schiff fährt, um diese nichtunnötig zu beunruhigen. Das kann kein Zustand auf Dauer sein!", sagte sie.
An die Verantwortlichen für die Schiffe appellierte der DSM-Vorstand: "Wirbitten die Reeder, zur Gefahrenabwehr bereits im Vorfeld regelmäßigesTraining durchzuführen und zur Wachsamkeit Hilfestellung zu geben, z.B.durch Aufstockung der Besatzung für doppelten Ausguck." Der Vorstand der DSMsieht die Reeder in der Verantwortung im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht,Seeleute und deren Angehörige vor und nach potentiell belastenden An- undÜbergriffen zu begleiten, beraten und unterstützen. Die leitende Pastorin,Heike Proske stellte abschließend fest: "Gezielte Vorbereitung, derSituation angepasste Besetzung während der Fahrt und geeigneteSicherheitsmaßnahmen an Bord, sowie Möglichkeiten der Verarbeitung eineseventuellen traumatischen Ereignisses, nicht nur bei deutschen Reedern, sinddas Minimum von Schutzmaßnahmen für Seeleute."
Vorstandsmitglieder der Deutschen Seemannsmission sind u.a.: Prof. Dr.Gerhard Mehrtens (Präsident), Dr. Margrit Wetzel (Vizepräsidentin), Dr.Dieter Radtke (Schatzmeister), Pastorin Heike Proske (Generalsekretärin)
Ein Jahr Aktionsprogramm

Seeleuten konnte konkret geholfen werden - unterstützen Sie weiter einzelneProjekte!
Nach einem Jahr des verstärkten Engagements gegen Piraterie und für dasWohlergehen von Seeleuten, die davon betroffen sind, zieht die DeutscheSeemannsmission (DSM) ein Fazit des Aktionsprogramms "Piraten: Bedrohung aufSee". Piraterie bleibt mindestens mittelfristig trotz massiven Polizei- undMilitäreinsatzes eine ernsthafte Bedrohung für die an Bord arbeitenden undlebenden Menschen und für die weltweite Schifffahrt. Im Aktionszeitraumeines Jahres konnte mit fünf Schwerpunktmaßnahmen und dank praktischer undfinanzieller Unterstützung vieler Förderer der Deutschen Seemannsmissionkonkret von Piraterie betroffenen Seeleuten geholfen werden:
Verstärkung der Seelsorge Die Mitarbeitenden der DSM haben sensibel diestarken seelischen Beeinträchtigungen der von Piraterie betroffenenCrewmitglieder im Blick gehabt. Es kam zu intensiven und notwendigenSeelsorgegesprächen mit diesen Menschen. Eine große Rolle spielte dabei derUmgang mit Gefühlen wie Angst und Ohnmacht, auch in Anbetracht derNotwendigkeit einer professionellen Arbeitshaltung und derPiraterie-Prävention.
Ausweitung der Schulung in Krisenintervention Im weltweiten Verbund derchristlichen Seemannsmissionen (ICMA) nahmen Mitarbeitende derSeemannsmission an Schulungen in Methoden der Krisenintervention teil.Aktuell wird in Deutschland ein Aufbaukurs vorbereitet.
Aufbau von lokalen Kompetenz-Netzwerken Durch das Aktionsprogramm und dieverstärkte Öffentlichkeit für Auswirkungen der Piraterie auf Seeleute sindverschiedene andere maritime Organisationen auf die Deutsche Seemannsmissionmit Kooperationsangeboten zugekommen. So bietet die Bundespolizei inKooperation mit der Bundesmarine Schulungen für Sicherheitsoffiziere inReedereien und auf Schiffen an, in denen ggf. auch über die Hilfsangeboteder DSM informiert wird.
Politische Forderungen Auf verschiedenen internationalen Politik-Ebenen, vonder Nationalen Maritimen Konferenzüber die zuständigen Bundesministerien biszu Diplomaten in Anrainerstaaten gefährdeter Küstengewässer, hat die DSM dieDurchsetzung des Rechts von Seeleuten auf Unversehrtheit an Leib und Seeleeingefordert.
Lagebericht Piraterie In mehreren Lageberichten, Informationsveranstaltungenund Hunderten Briefkontakten konnte über die Situation der Seeleute und überdie schlimmen Folgen für die von Piraterie betroffenen Menschen aufgeklärtwerden. Das Interesse am Schicksal der betroffenen Schiffsmannschaften warunter Spendern, Förderern und Lesern des Newsletters groß. GewählteRegierungen wurden kritisiert für Untätigkeit in der Prävention und Aktiongegen Piraterie.
Perspektiven Zukünftig setzt die Deutsche Seemannsmission für dasAktionsprogramm neue Prioritäten. Angesichts knapper Finanzmittel imDSM-Haushalt ist das Aktionsprogramm in der bisherigen Form allein durchzweckgebundene Spenden finanziert nicht mehr tragbar. Aufklärung undÖffentlichkeitsarbeit - Schwerpunkt des ersten Aktionszeitraums - werden ausdiesen finanziellen Gründen zurücktreten müssen. Das Augenmerk wird auf dieUmsetzung konkreter Projekte gelegt, die weiterhin mit Spenden unterstütztwerden können.
Spendenkonto: Empfänger Deutsche Seemannsmission e.V., Bank fürSozialwirtschaft (BFS), Konto: 4409400, BLZ: 25120510, Verwendungszweck:"Piraten Bedrohung auf See".